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Freundeskreis und die Wesch
Geschrieben von: Peter Lenk   

Eines Morgens, der Himmel hatte sich gerade mal wieder grau gewandet, entstieg Fräulein Hildebrand, ihres Zeichens pensionierte Lehrerin am Burggymnasium, mit glückseligem Gesichtsausdruck dem immerhin 17 Grad kalten Wasser. "Herrlich, wunderbar", flötete sie. Fräulein Hildebrand sagte immer: "Herrlich, wunderbar", wenn sie gerade ihr Schwimmerchen absolviert hatte. Ob die Sonne vom Himmel knallte oder sich Wolken entluden. Ob 25 Grad oder 10 Grad. Und an jenem Morgen fügte Fräulein Hildebrand noch an, derweil ihr Blick ein Stückchen abgeblätterte Farbe am Beckenrand streng gemustert hatte: "Nicht schön das, müsste man ausbessern." Sie, ganz Mensch der Tat, schritt zum Schwimmmeister Tulinski und trug ihr Anliegen vor. Der schüttelte bedauernd den Kopf: "Kein Geld da für Farbe." Fräulein Hildebrand daraufhin zum Schreiber dieser Zeilen: "Da müssen wir was unternehmen." Gesagt, geplant. Drei Monate später gründeten Freunde der Waschmühle den Freundeskreis Waschmühle. Das war am 6. Oktober 1984.

 

Die Initiatoren hatten damals das Nebenzimmer der Gaststätte "Zur Waschmühle" (heute Bistro-Resto Aktuell) als Gründungsstätte auserkoren. Mit etwa 20 Personen hatten sie gerechnet. Es kamen über 50. Was sich auf Farbeimer als erstes Ziel fokussierte, erwies sich lediglich als angenehme Begleitung einer durchaus ernsten Zielsetzung: Der Freundeskreis hatte als oberste Priorität die Erhaltung des Bades in seiner aktuellen Charakteristik in seiner Satzung verankert.

In jenen Monaten nämlich hatten eifrige Planer der Stadtverwaltung eine Modernisierung der alten Wesch vorgesehen, was sich bei näherem Hinsehen als Radikallösung entpuppte: Eingang an der Südwestseite (gegenüber der Gaststätte), Kabinen und Toiletten auf der Wiese, weitere Liegeflächen im Norden des Bades am Hang zu Morlautern hoch, Abriss der Holzkabinen. Diese bauliche Veränderung wollten die Wesch-Freunde mit aller Macht verhindern. Eine weitere Neuerung, die Begradigung der Kreisstraße 2, also Morlauterer Straße/Otterberger Straße, stieß auf Befremden nicht nur beim Freundeskreis. Die Waschmühle-Freunde machten mobil, soll heißen, taten ihre Meinung über die lokalen Medien kund, mobilisierten die Lauterer Bürger, sich öffentlich zu äußern, und ließen in ihrem Vorhaben nicht locker, das neue Konzept zu verhindern. Zwei Jahre später, im Sommer 1986, kamen die Stadtratsfraktionen überein, das Bad in seiner Gesamtkonzeption nicht zu verändern. Steter Tropfen hatte den Stein gehöhlt. Der erste Vorstand des Freundeskreises hatte übrigens folgende personelle Zusammensetzung: erster Vorsitzender Peter Lenk; zweiter Vorsitzender Joachim Busch; Beisitzer Hans- Joachim Flohr und Willi Wust; Schatzmeister Heinz Hoffmann; Schriftführer Ursel Burghaus; Pressewart Wolfgang Kreilinger; Kassenprüfer Karl Huthmann und Hans Ruck.

Freundeskreis Waschmühle

Nach diesem Aufsehen erregenden "Erfolg" konnte sich der Freundeskreis anderen Aufgaben in der Wesch widmen. Binnen drei Jahren stieg die Mitgliederzahl auf stolze 130, mit den zehn Mark Jahresbeitrag wurden die ersten Anschaffungen (unter anderem diverse Wasserspiele, Sitzgruppen und eine Volleyball- Anlage) getätigt. Das Wichtigste jedoch, schon in den Anfangsjahren, war eine schnelle unbürokratische Hilfe für Belange des Freibades. Da fehlten hier mal drei Eimer Farbe, da war da mal die Kehrmaschine defekt, hatte eine Gartenhacke vor menschlicher Muskelkraft kapituliert – der Schatzmeister des Vereins sprang nach einer kurzen Unterredung mit dem Vorstand ein.

Anfang der 90er Jahre legte das Bauamt erneut Vorschläge für eine Sanierung vor. Kernpunkt: Das Becken sollte um rund 25 bis 30 Prozent in der Länge verkürzt werden. Der Hauptgrund: Eine dann zu installierende Edelstahlwanne wäre in der aktuellen Größe nicht zu realisieren gewesen. Ein weiterer Grund: Die Kosten für die Umwälzung einer geringeren Wassermenge würden reduziert. Die Mitglieder des Freundeskreises stimmten – mit mächtigem Magengrummeln – der "kleinen" Lösung zu, auch weil die Stadt-Oberen zu verstehen gaben, dass die Restaurierung des Beckens in der aktuellen Größe unmöglich zu finanzieren gewesen wäre, das Damoklesschwert einer Schließung im Raum stand. 1996 beschloss der Stadtrat eine Verkleinerung, im Sommer formierte sich der Verein "Rettet die Waschmühle", sammelte die für ein Bürgerbegehren erforderlichen 22.000 Unterschriften, und im Oktober wurde in einem Bürgerentscheid der Ratsbeschluss gekippt. Schon kurz zuvor hatte die Bürgerinitiative ihr Konzept für eine Sanierung des bestehenden Beckens vorgelegt, mit Kosten, die weit geringer waren als die vom Bauamt angegebenen. Der Freundeskreis Waschmühle revidierte daraufhin seine erste Entscheidung, schloss sich der Umsetzung für die große Variante an.

Was von den damals vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen übrig blieb, ist bis heute recht bescheiden geblieben. Weil das liebe Geld fehlte. Die in jenen Tagen geführten Diskussionen, die nicht immer von Sachlichkeit geprägt waren, hatten erfreulicherweise unter den Mitgliedern des Freundeskreises keine Gräben aufgerissen. Recht schnell gingen sie wieder zur Tagesordnung über, eben zu jenen Aufgaben, die in der Satzung verankert sind und mit denen der Vorstand betraut ist.

Im Jubiläumsjahr hat der Freundeskreis Waschmühle rund 250 Mitglieder. Eine stolze Zahl. Der Jahresbeitrag wurde von zehn Mark auf zehn Euro angehoben. Eine zwar prozentual kräftige Erhöhung, der sich aber gerade ein Mitglied verweigerte. In all den Jahren investierte der Verein umgerechnet rund 35.000 Euro. Die Arbeit des Vorstandes ist im echten Wortsinne ehrenamtlich.

Die Verantwortlichen des Vereins sind, und das ist enorm wichtig, ständig präsent auf der Wesch. Sie leihen dem Bürger, der auf der Waschmühle einen Teil seiner Freizeit verbringt, ihr Ohr, reagieren behände auf Vorschläge, informieren sich über Wünsche und Anregungen und sind willkommene Ansprechpartner. Ein klein wenig stolz sein kann der Freundeskreis auch darauf, dass sich seine Mitglieder und Freunde ein bisschen als eine große Familie fühlen. In einem herrlichen Umfeld, das Wesch heißt. Auf dass Lauterer Bürger ihre Waschmühle auch in den nächsten 100 Jahren genießen können.