Anmeldung
| So eine Sauerei! - Ein Kurzkrimi von Bernd Franzinger |
| Geschrieben von: Bernd Franzinger |
|
"Polizei", keuchte die Putzfrau. Der Angesprochene zückte sein Handy und hämmerte die Notrufnummer der Polizei in die Tastatur. Bereits zehn Minuten später hörte man die Sirene eines Streifenwagens aus Richtung des Kaiserbergs. Hauptwachtmeister Krummenacker hatte Tannenberg und den Gerichtsmediziner in der Beethovenstraße aufgegabelt. Wie immer bestand Dr. Schönthaler darauf, den Leichnam als erster zu begutachten. Er streifte die Plastikhandschuhe über und drückte die Tür nach innen. Doch sie gab noch nicht einmal fünf Zentimeter nach. "Wieso hat denn keiner von Ihnen nachgeschaut, ob der Mensch hierdrin vielleicht noch lebt?", pflaumte er die beiden an. "Wir, wir ...", stammelte die Putzfrau. "Verflucht, ich komme nicht rein", schimpfte der Rechtsmediziner. "Dann drück halt fester", grummelte Tannenberg. Sein Freund tat, wie ihm geheißen. Doch der Spalt reichte nicht aus, um einen Blick hinter das Türblatt zu werfen. "Wir müssen die Tür aufhebeln." "Quatsch", zischte Tannenberg und stellte sich neben ihn. "Los, wir versuchen’s gemeinsam." Nun gelang es Dr. Schönthaler endlich, den Kopf zwischen Türblatt und Rahmen hindurchzuzwängen. "Was für eine Sauerei!", rief er laut. "Mensch, Rainer, ein bisschen mehr Pietät könntest du schon aufbringen", blaffte der Kriminalbeamte. "Aber wieso denn? Es stimmt doch." "Was stimmt?", fragte Tannenberg verdutzt. Grinsend schaute ihn Dr. Schönthaler an. "Da drinnen liegt eine kapitale Wildsau, besser gesagt, ein Keiler von etwa 70 Kilo. Vermutliche Todesursache: Schussverletzung. Mutmaßlicher Täter: Jäger oder Förster. Genaueres aber wie immer erst nach der Obduktion." Sein Grinsen wurde noch breiter. "Vielleicht war's ja dein Busenfreund Kreilinger." Tannenberg lachte: "Ja, das könnte ich durchaus verstehen. Vor dem wäre ich auch in Panik geflüchtet. Da hätte mich kein Zaun aufgehalten." Mit Blick auf die milchigen Dunstschleier, die über die riesige Wasserfläche waberten, murmelte der Rechtsmediziner: "Solch eine Sauerei hat es in der hundertjährigen Geschichte der Waschmühle garantiert noch nie gegeben." |

Ein gellender Schrei zerschnitt die friedliche Stille des Eselsbachtals. Die kräftigen Arbeiterhände der Putzfrau öffneten sich. Schrubber und Wassereimer fi elen auf die Holzplanken. Mit entsetztem Blick starrte sie auf die Umkleidekabine, vor der sich eine große, sprechblasenartige Blutlache abzeichnete. Sie schwankte, ihr massiger Körper glitt auf eine Sitzbank. Schnaubend traf der Bademeister der Waschmühle bei ihr ein.