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Schwimmen in zwei Teilen
Geschrieben von: Lieselotte Speyerer   

Lieselotte SpeyererMit 6 Jahren bin ich mit meinen Eltern, die beide gute Schwimmer waren, was bei dieser Generation eher selten war, zum Badeweiher, wie wir damals sagten, gewandert und sie haben mir das Schwimmen beigebracht. Mit dem Korken um, habe ich die ersten Versuche gemacht. Es klappte auch bald sehr gut. Mächtig stolz war ich, als ich ein oder zwei Jahre später quer durch das Becken und wieder zurück geschwommen bin.

Zwischen 1937 und 1940/41 waren wir ein paar Mal mit unserer Sportlehrerin zum Schwimmen dort. Da ich im Sport weder in Leichtathletik noch im Geräteturnen eine Kanone war, habe ich halt versucht, mit dem Schwimmen meine Note zu verbessern. Mit einem Kopfsprung vom Dreimeterbrett hätte es sogar für eine Zwei gereicht. Also wurde es versucht! Ich weiß nicht, was ich gemacht habe, ich habe zwar keinen "Bauchplatscher" gelandet, ich dachte nur, ich schwimme in zwei Teilen im Wasser herum. Nie wieder einen Sprung vom Dreimeterbrett! Aber eine Zwei habe ich doch bekommen.

Durch die Kriegsereignisse war es dann vorerst mit dem Schwimmen vorbei. Nach 1945 kann ich mich erinnern, dass das Damenbad, ein Drittel der Waschmühle war durch einen Bretterzaun abgetrennt, von den Franzosen beschlagnahmt wurde und fortan "Franzosenbad" hieß.

Während meiner 45-jährigen Berufstätigkeit bin ich wenig zum Schwimmen gekommen, im Urlaub bin ich immer verreist. Erst 1991, als ich mit 65 Jahren in den Ruhestand ging, habe ich meine Liebe zur Waschmühle wieder entdeckt. Ich war unterdessen in den Norden der Stadt umgezogen. Vom Mai bis September ließ ich jeden Morgen Punkt 8 Uhr bei einer guten Bekannten das Telefon zweimal klingeln, sie stand dann an der Morlauterer Straße und wir sind zusammen zum Schwimmen gefahren. Leider ist nach ein paar Jahren meine Bekannte verstorben und ich habe dann später das Autofahren freiwillig aufgegeben. Aber das Schwimmen nicht, denn es ist für meine Gesundheit gut und macht mir viel Freude. Da trifft man morgens immer dieselben, meist ältere Leute, sagt sich guten Tag und findet immer jemanden zum Erzählen. Wenn man mal 2 bis 3 Tage nicht zum Schwimmen kommt, wird gleich besorgt gefragt, ob man krank gewesen sei.

Das ist das Familiäre, die Ausstrahlung, das „Flair“ der Waschmühle. Da kommt das modernste, beheizte Schwimmbad nicht mit, die Wesch bleibt die Wesch.