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Im Herzen und in der Badehose
Geschrieben von: Walter Schumacher   

Walter SchumacherIch kann nicht angeben, dass ich je vom Zehnmeterbrett gesprungen wäre. Ich habe nicht mal schwimmen gelernt in der Waschmühle. Schwimmen gelernt habe ich im Hallenbad am Stadtpark. Das wurde abgerissen.

Die Waschmühle aber ist hundert Jahre und für die Ewigkeit. In meiner Bescheidenheit darf ich sagen: Ich habe die Waschmühle gerettet.

Sie wäre geflutet worden, von Infrastrukturexperten, die einen "Saar-Pfalz-Kanal" planten, eine gigantische Wasserstraße von Saarbrücken nach Ludwigshafen – durchs Eselsbachtal.

Ich war, als Lauterer und Morlauterer, aktiv in der "Bürgerinitiative Eselsbachtal", die mit vielen vernünftigen Menschen das Projekt ablehnte. Seit jener alten Zeit spätestens traue ich Experten nicht. Was hatten sie uns alles prophezeit, wenn der Gigakanal nicht gebaut werden würde! Die Katastrophe! Das Elend! Kaiserslautern am Ende!

Nun sind Jahre und Jahrzehnte vergangen – und Kaiserslautern hat Zukunft als Wissenschaftsstadt.

Die Waschmühle ist mehr als ein städtisches Schwimmbad. Sie ist eine Heimstätte, ja eine Kultstätte für Schwimmerinnen und Nichtschwimmer, für Schwimmer und Nichtschwimmerinnen. Und wer noch nie im kalten Wasser war, hat bei warmer Sonne im Schatten dezenter Flora auf der Liegewiese doch als Knabe ein Mädchen erstgeküßt. So haben wir alle unsere Erinnerungen und bewahren sie im Herzen und in der Badehose.

Erhaltet die Waschmühle! Und bloß nicht modernisieren, nicht verhübschen, nicht zum Abenteuererlebnisparadies, nicht zur Spa-Arena oder zur Tropical-Exotic-Ocean-Area umtopfen. Der Name "Waschmühle" ist so schön, so klar wie das Wasser, so wunderbar einfach und einfach wunderbar.

Die Waschmühle ist lauter. Ist Lautern in seiner reinen Form. Liebenswert. Gratulieren wir uns zum Jubiläum und dass die Stadt sie erhalten hat.