Anmeldung

Jetzt kostenlos registrieren und direkt durchstarten.

Benutzername

Passwort

Angemeldet bleiben

Kein schönerer Platz in Lautern
Geschrieben von: Dr. Hans Jung   

Dr. Hans JungSchon als kleiner Junge habe ich die Waschmühle als unseren Lauterer Badeweiher kennen und lieben gelernt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Dazu haben auch unsere Eltern beigetragen. Da sie es sich in der damaligen Zeit allein schon aus finanziellen Gründen kaum leisten konnten, die Ferien- und Urlaubszeit mit ihren Familien an der Nord-/Ostsee oder gar im warmen Süden zu verbringen, blieb den Lauterer Kindern allgemein nur die Waschmühle als Urlaubs- und Ferienort.

Hier verbrachten wir viele freie Nachmittage und fast alle sonnigen Ferientage in dem Bewusstsein, dass es für uns Kinder eigentlich keinen schöneren Platz in Kaiserslautern gab als unsere Wesch.

Wenn wir, mit einem Handtuch bewaffnet, nach dem Marsch durch den Hagelgrund, das alte Kassenhäuschen an der Waschmühle passierten und unseren Obolus von einigen Pfennigen als Eintritt entrichtet hatten, begegnete uns zunächst immer Bademeister Schwager, der Schwimmlehrer und Aufsicht in einer Person war und den man außerhalb des Wassers nie ohne seine Pfeife im Mund erlebte.

Vor ihm, an einem kleinen Holzsteg, zappelten meist an einem langen Gurt einige Kinder, denen er das Schwimmen beizubringen versuchte. Wenn einer der Schwimmlehrlinge, was nicht selten vorkam, ins Wasser fi el, verhinderte Herr Schwager mit einem bedächtigen Sprung ins Wasser größeres Unheil.

Ansonsten verbrachten wir unsere Zeit im oft recht kalten Wasser, was uns jedoch nicht vom Schwimmen abhielt, oder auf der großen Liegewiese mit den dort aufgestellten hölzernen Liegebänken.

Leider war es uns Buben nicht vergönnt, den Badespaß mit unseren Freundinnen, falls vorhanden, und anderen Vertreterinnen des schönen Geschlechts zu teilen, da diese ihren Besuch auf der Wesch im Osten des Bades hinter einer trennenden Holzwand verbringen mussten.

Viele Ast- und Gucklöcher in der trennenden Holzwand waren ein deutlicher Beweis für unser trotzdem vorhandenes Interesse an dem weiblichen Geschlecht, dessen Reize uns vorenthalten wurden. Auch die vielen Bohr- und Gucklöcher in den Seitenwänden der alten hölzernen Umkleidekabinen waren nicht zuletzt auf dieses strenge Trennungsreglement zurückzuführen.

Nach dem Kriege verhinderte die hölzerne Trennungswand sodann das Zusammensein zwischen Deutschen und Franzosen, die das alte Damenbad, ohne Vorwegnahme der späteren freundschaftlichen Beziehungen zwischen unseren Völkern, allein für sich in Anspruch nahmen.

In den Folgejahren war dann der Weg endlich frei für ein ungeteiltes Badevergnügen auf der Wesch. Manche Wasserratten wie der Brauereibesitzer Bender, der Staatsanwalt Lenhardt und der Lauterer Schwimmpionier Kirsch waren selbst bei eisigen Temperaturen von Frühjahr bis Herbst Dauergast auf der Waschmühle.

Andere Besucher aus nah und fern bevorzugten jedoch die wärmeren Tage für ein erholsames Bad auf der Waschmühle, die sich trotz permanenter Geldnöte mit laufenden baulichen Verbesserungen und einer hervorragenden Wasserqualität zu einem modernen und weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus beliebten Bade- und Freizeitzentrum im Herzen der Pfalz entwickelt hat.