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Von der Mühle zur Badeanstalt
Geschrieben von: Roland Paul   

Seit 100 Jahren führt nunmehr eine der bekanntesten Badeanstalten der Westpfalz den Namen "Wesch". Zuvor, seit dem frühen 18. Jahrhundert, war dies die im Volksmund gebräuchliche Bezeichnung für die einst im Hagelgrund am Eselsbach gelegene "Waschmühle"(1). Sie wurde früher meist als "Morlauterer Wäsch" oder "Wasch" bezeichnet, weil die Anwohner hier ihre Wäsche gewaschen und diese auf dem nahe gelegenen "Waschberg" gebleicht haben.

Roland PaulÜber den Bau der Waschmühle ist nichts Genaues bekannt. Der Grund und Boden gehörte jedenfalls lange Zeit der Zisterzienserabtei Otterberg, die im Hagelgrund zwei Fischwöge besaß. Im Zusammenhang mit einem jahrelang sich hinziehenden Rechtsstreit wegen der Weiderechte zwischen den Erbbeständern der Gallappmühle einerseits, der Stadt Kaiserslautern und der Gemeinde Morlautern andererseits heißt es 1744, dass sich am Standort der "Morlauterer Wasch" früher "Wentzen Hennen Wöglein" befand. Dort war ehemals auch eine Viehtränke und ein "Viehunner", d. h. ein Unterstellraum für das Weidevieh.(2)

1738 wurde Wilhelm Schmitt als Erbbeständer der zum Otterberger Klosterdistrikt gehörenden Waschmühle genannt(3). Damals war sie eine Walk- und Schleifmühle. Die Leinenweber brachten das von ihnen gewobene Leinen zum "walken" hierher, und die Bauern und Handwerker ließen ihr Arbeitsgerät hier schleifen. Die Mühle, so berichtete Schmitt, sei mit Konzession der Geistlichen Güterverwaltung erbaut worden. Sie habe zwei Wasserräder, allerdings könne nur eines benutzt werden. Er hatte jährlich an so genannter Erbpacht den Betrag von 7 Gulden und 30 Kreuzer für die Mühle und sechs Morgen Äcker sowie 3 Gulden 45 Kreuzer für den Weiher an die Pflegerei Otterberg zu zahlen.(4)

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1755 erwarb der kurfürstliche Kaiserslauterer Obereinnehmer und Apotheker Ludwig Heinrich (von) Fliesen (1712-1783) die Waschmühle. 1770 wird sie als "Bordenmühle" bezeichnet. Er betrieb die Mühle nicht selbst, sondern verpachtete sie an so genannte "Bordenschnitter" weiter.

Nach dem Tod von Ludwig Heinrich Fliesen übertrug seine Witwe Maria Charlotte Fliesen, geb. Umbscheiden (1731-1792) im Jahre 1784 an ihren Sohn Carl Ludwig Fliesen (1757-1824) für 12.200 Gulden "meine auf der sogenannten Wasch liegende Borden Mühl nebst Borden, Schoppfscheuer und Stallung wie auch die zu dieser Mühl gehörige ohngefehr 5 Morgen Wiesen und 6 Morgen Äcker" sowie mehrere Ackergrundstücke. Carl Ludwig Fliesen war wie sein Vater kurfürstlicher Obereinnehmer sowie Stadtrentmeister und Kirchenältester der refomierten Gemeinde Kaiserslautern. Er war sehr vermögend und lieh der Stadt Kaiserslautern 1793 die Summe von 1.000 Gulden (fl.).(5) Im Jahre 1800 beschäftigte er drei Mägde und zwei Knechte.(6)

Johann Goswin Widder schrieb in seiner "Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine" 1788: "Unten an der Gemarkung lauft ein von Neunkirchen kommendes Bächlein durch den Hagelgrund, treibt eine halbe Stunde vom Dorf die der geistlichen Verwaltung zuständige Sägmühle, Morlauterer Wäsche genannt, und fällt in den Kaiserwoog."(7)

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1820 bot Carl Ludwig Fliesen, inzwischen Kreiskassier in Speyer, seinem Sohn Wilhelm (1790-1849) die Mühle an. Er schrieb ihm u. a.: "Mir hat die Mühle immerfort jährlich 800 fl. eingetragen, und ich hätte wahrscheinlich nicht 20 Jahre ohne Besoldung in Lautern leben können, wenn ich die Mühle nicht gehabt hätte. Ich sezze deswegen einen besonderen Werth darauf, und werde auch nicht zugeben, daß solche in fremde Hände gerathe, es ist ein Platz wovon mit der Zeit eines Deiner Kinder leben kann, besonders, wenn späterhin eine Mahl oder Oelmühle zu der Bordenmühle gebaut wird, ich bedinge deswegen ausdrücklich, daß Du an dem Eigenthum der Mühle Dir nichts vergebst, weder ganz noch zum Theil."(8)

Zur Mühle gehörte damals das so genannte "Bader Wooglein", an anderer Stelle auch "Benderwooglein" genannt. Da es ihn interessierte, welche Fische darin sind, bat Carl Ludwig Fliesen seinen Sohn 1820 den Woog leer laufen zu lassen, um dies festzustellen und ihn dann wieder mit Wasser zu füllen.(9) Den Weiher vermachte Kreiskassier Fliesen schließlich auch in seinem Testament seinem Sohn Wilhelm.(10)

Wilhelm Fliesens gleichnamiger Sohn Wilhelm Fliesen (1827-1889) verkaufte die Waschmühle und die dazugehörigen Ländereien am 24. Mai 1875 für 23.000 Gulden an den Bankier Theodor Hirsch in Mannheim. Acht Jahre später, am 10. Januar 1883 wurde die Mühle versteigert. Steigerer war der Morlauterer Gutsbesitzer Jakob Schmitt. Dieser verkaufte sie bald wieder an den Lauterer Gastwirt Ludwig Kraft.(11) Auch er behielt sie nur kurze Zeit. Am 28. Oktober 1889 erwarb der aus Dietschweiler stammende Jakob Müller, der bei seinem Onkel Karl Müller auf der nahe gelegenen Neumühle das Müllerhandwerk erlernt hatte, die "Wesch" für 33.000 Mark. In der Wesch wurde damals nicht nur Korn gemahlen, sie diente darüber hinaus auch als Hanfreibe und als Kalkmühle.

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Am 19. Juli 1905 verkaufte Jakob Müller seinen Besitz, bestehend aus Wohnhaus samt einem Anbau, dem Gebäude der Mahlmühle, mit Mühle, Schweinestall, Anbau mit Futterküche, Ökonomiegebäude mit Stall und Scheuer, Waschküche mit Schweinestall, ehemaliger Hanfreibe und Kalkmühlengebäude sowie 36 Tagwerk Äcker und 13 Tagwerk Wiesen für 43.000 Mark an die Stadt Kaiserslautern, die hier ein "Herrenbad" einzurichten beabsichtigte. Am 13. Februar 1906 versteigerte Jakob Müller auf der Waschmühle meistbietend auch das für die Landwirtschaft benötigte Inventar, wie z. B. zwei zweispännige Wagen, einen Erntewagen, mehrere Pflüge und Eggen.(12) Die Mühleneinrichtung wurde von Karl Ohliger von der benachbarten Gallappmühle erworben. Müller betrieb fortan die Obere Hetschmühle bei Alsenborn.(13)

Da, wie Friedrich Wilhelm Weber schrieb, "bei Füllung und Leerung des Badeweihers der Wasserstand des Eselsbachs verändert wurde", musste sich die Stadt mit den benachbarten Mühlenbesitzern auseinander setzen und einigte sich schließlich vertraglich mit der Familie Scheuermann von der Dammühle und Karl Ohliger von der Gallappmühle.(14)

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Interessant ist, dass die Badeanstalt ihre Entstehung maßgeblich auch mehreren Mäzenen zu verdanken hat. Ein ungenannt gebliebener Wohltäter ließ am 16. März 1905 durch Adjunkt Gustav Jansohn der Stadtverwaltung einen Betrag von 25.000 Mark als Beitrag zu den Baukosten des Badeweihers übergeben.(15) Im folgenden Jahr haben weitere "wohlwollende Bürger" noch einmal 40.000 Mark und 20.000 Mark für ein "Damenbad" gespendet. Die gesamte Bausumme für die Badeanstalt belief sich auf 145.000 Mark. Am 4. Juni 1908 konnte Oberbürgermeister Dr. Hans Küfner schließlich den Badeweiher seiner Bestimmung übergeben.(16)

Die "Pfälzische Presse" berichtete noch am gleichen Tag: "Mit einer kleinen Feier wurde heute nachmittag der neue Badeweiher an der Waschmühle der öffentlichen Benützung übergeben. Die gesammte Anlage erforderte insgesammt einen Kostenaufwand von rund 140.000 Mark, wovon 85.000 Mark durch Spenden von Bürgern gedeckt wurden. Die Wasserfläche umfaßt 15.500 Quadratmeter und die Wassermenge rund 25.500 Kubikmeter. Der Badeweiher erfreut sich einer ganz vorzüglichen Wasserversorgung und einer herrlichen Lage im bewaldeten Hagelgrundtal".(17)

Selbst die in New York erschienene Zeitung "Der Pfälzer in Amerika" berichtete damals von der Eröffnung.(18)

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  1. In der Chronik von Morlautern findet sich bedauerlicherweise – außer schönen alten Darstellungen – wenig Konkretes zur Geschichte der Waschmühle. Vgl. Josef Lorenz, Geschichte und Geschichten von Morlautern, Otterbach 1993, S. 54ff.
  2. F. W. (vermutlich Friedrich Wilhelm Weber), Das Freibad Waschmühle war ein eine Viehtränke. Kaiserslautern und Morlautern verteidigten verbissen ihre Weiderechte, in: Pfälzische Volkszeitung, 10.8.1964.
  3. Friedrich Wilhelm Weber, Die Geschichte der Mühlen und des Müllerhandwerks der Pfalz, Otterbach 1978, S. 237.
  4. Friedrich Wilhelm Weber, Die Mühlen der Stadt Kaiserslautern und den näheren Umgebung, Kaiserslautern 1967, S. 85.
  5. Eugen Reis, Kaiserslautern im 18. Jahrhundert. Die Menschen, die in den familienkundlichen Quellen der Stadt erwähnt werden. Einheimische, Eingepfarrte, Fremde, Teil 1, Kaiserslautern 2000, S. 262.
  6. Fritz Braun und Franz Rink, Bürgerbuch der Stadt Kaiserslautern 1597-1800, Kaiserslautern 1965, S. 202.
  7. Johann Goswin Widder, Versuch einer vollständigen Geographisch-Historischen Beschreibung der Kurfürstl. Pfalz am Rheine, Vierter und lezter Theil, Frankfurt und Leipzig 1788, S. 227.
  8. Karl Fliesen, Geschichte der Familie Fliesen und der anverwandten Familien, Grünstadt 1926, S. 51.
  9. Ebd., S. 52.
  10. Ebd., S. 53.
  11. Weber, Die Mühlen der Stadt Kaiserslautern, S. 85.
  12. Anzeige im "Kaiserslauterer Stadtanzeiger", 5.2.1906.
  13. Weber, die Mühlen der Stadt Kaiserslautern, S. 86.
  14. Friedrich W. Weber, Die Mühlen der Stadt Kaiserslautern und der näheren Umgebung (= Schriftenreihe zur Geschichte von Stadt und Landkreis Kaiserslautern, Bd. 11), Kaiserslautern und Rockenhausen 1967
  15. Vgl. Der Kaiserslauterer städtische Badweiher. Vom ehemaligen Mühlenbetrieb zum allgemeinen Volksbad, in: NSZ Rheinfront, 30.5.1940.
  16. Gerhard Westenburger, Eröffnung ohne Kassenhäuschen. Das Freibad Waschmühle wird in diesem Jahr 100. Wurzeln in historischen Weihern, in: Die Rheinpfalz, Pfälzische Volkszeitung, 2.1.2008.
  17. Pfälzische Presse, 4.6.1908
  18. Der Pfälzer in Amerika, 27.6.1908